Mit tiefer Betroffenheit haben wir von der Entscheidung der Katholischen Hospitalvereinigung Ostwestfalen (KHO) erfahren, das Oelder Marienhospital zum Jahresende zu schließen.
Auch wenn sich diese Entwicklung angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation des Krankenhauses zuletzt leider abgezeichnet hat, wiegt die nun getroffene Entscheidung schwer. Sie trifft die Beschäftigten. Sie trifft die Patientinnen und Patienten. Sie trifft den Förderverein, der sich seit vielen Jahren vorbildlich engagiert. Und sie trifft uns als Stadtgesellschaft mitten ins Herz.
Das Marienhospital ist für Oelde weit mehr als ein Krankenhaus
Seit 1845 gehört das Marienhospital zu unserer Stadt. Über Generationen hinweg war es ein Ort der Hilfe, der Hoffnung und der Menschlichkeit. Hier wurden Oelderinnen und Oelder geboren, hier wurden Menschen in schwierigen und oftmals lebensentscheidenden Situationen medizinisch versorgt und begleitet, haben dort Trost und Unterstützung erfahren. Das Marienhospital ist damit ein Stück Oelder Geschichte und ein Teil unserer gemeinsamen Identität.
Wir wissen um die hohe Professionalität und den außergewöhnlichen persönlichen Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir wissen, mit wie viel Herzblut sie sich jeden Tag für ihre Patientinnen und Patienten einsetzen. Dieses Engagement verdient unseren tiefen Respekt und unsere besondere Anerkennung. Deshalb schmerzt die Nachricht von der Schließung so sehr.
Eine Entwicklung, die sich über Jahre zugespitzt hat
Das Marienhospital steht – wie viele Krankenhäuser in Deutschland – seit Jahren unter einem enormen wirtschaftlichen und strukturellen Druck. Veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen, mögliche Defizite in der früheren Geschäftsführung, der Krankenhausplan NRW, das GKV-Spargesetz, sinkende Fallzahlen im stationären Bereich und die Entscheidung der Krankenhausplanungsbehörde, dem Standort keine ausreichende Versorgungsrelevanz zuzuerkennen, haben die Situation zunehmend verschärft. Dabei wurde immer wieder versucht, den Standort zu sichern.
2015 erfolgte zunächst der Beitritt zum Elisabeth-Hospital Gütersloh. 2022 wurde gemeinsam mit weiteren Krankenhäusern die Katholische Hospitalvereinigung Ostwestfalen gGmbH gebildet. Diese Schritte waren wichtige Versuche, die Zukunft des Marienhospitals zu sichern. Ohne diese Maßnahmen wäre eine Schließung möglicherweise schon früher Realität geworden.
Auch die Geschäftsführung hat in den vergangenen Jahren nach Wegen gesucht, den Standort wirtschaftlich zu stabilisieren. Am Ende haben diese Bemühungen leider nicht ausgereicht, um einen dauerhaften Weiterbetrieb zu ermöglichen. Das macht die heutige Situation nicht weniger schmerzhaft.
Folgen der Krankenhausreform werden in Oelde Realität
Besonders bitter ist, dass die Auswirkungen des neuen Krankenhausplans NRW in Oelde bereits deutlich spürbar sind.
Anfang 2025 mussten die Bereiche Geriatrie sowie Frauenheilkunde und Geburtshilfe geschlossen werden, weil den Abteilungen die erforderliche Anerkennung entzogen wurde. Auch weitere komplexe medizinische Leistungen durften am Standort nicht mehr angeboten werden.
Für viele Bürgerinnen und Bürger war und ist insbesondere die Schließung der Geriatrie nur schwer verständlich. Dass ein bewährtes Angebot in unserer Stadt aufgegeben und anschließend an einem benachbarten Krankenhausstandort neu aufgebaut wurde, hat bei vielen Menschen Unverständnis und Enttäuschung ausgelöst.
Dieses Unverständnis können wir sehr gut nachvollziehen, die Entscheidung wurde jedoch auf Grundlage der Krankenhausplanung NRW getroffen.
Wir erleben in Oelde aktuell unmittelbar die Auswirkungen von politischen und planerischen Entscheidungen auf Landes- und Bundesebene. Nach Einschätzung von Experten werden die Reformen zu einer deutlichen Verringerung der Krankenhausstandorte in Nordrhein-Westfalen führen. Das Ziel einer qualitätsvollen und flächendeckenden Versorgung teilen wir ausdrücklich. Gleichzeitig muss aber sichergestellt werden, dass gerade die Menschen im ländlichen Raum nicht zu den Verlierern dieser Entwicklung werden.
Unser größter Respekt gilt den Beschäftigten
Unsere Gedanken sind ganz besonders bei den 377 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Marienhospitals. Viele von ihnen haben in den vergangenen Monaten mit großer Sorge auf die Zukunft ihres Arbeitsplatzes geblickt. Und trotzdem haben sie ihre persönliche Unsicherheit nicht in den Vordergrund gestellt. Sie haben Patientinnen und Patienten versorgt, Angehörige begleitet und Verantwortung übernommen – professionell, engagiert und mit großem menschlichem Einsatz.
Dafür sagen wir von Herzen: Danke!
Ihr Einsatz hat die medizinische Versorgung in Oelde über Jahrzehnte geprägt. Sie sind es, die dem Marienhospital sein Gesicht gegeben haben. Sie sind es, die dafür gesorgt haben, dass aus einem Gebäude ein Ort der Fürsorge und des Vertrauens geworden ist. Sie haben das Marienhospital zu „unserem Krankenhaus“ gemacht.
Deshalb verbinden wir mit der Entscheidung zur Schließung auch die klare Erwartung an die KHO-Geschäftsführung, ihrer besonderen Verantwortung gegenüber den Beschäftigten gerecht zu werden. Wir sind überzeugt, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Perspektiven für eine Weiterbeschäftigung innerhalb des KHO-Verbundes zu eröffnen.
Oelde darf bei dieser Entscheidung nicht allein gelassen werden
Die Menschen in Oelde haben ein Recht darauf zu erfahren, wie es mit der medizinischen Versorgung in unserer Stadt weitergeht.
Vorgesehen ist hierzu eine Bürgerinformationsveranstaltung, bei der KHO-Geschäftsführer Matthias Bitter offen und transparent auf die Fragen und Sorgen der Bevölkerung eingehen wird.
Wir hätten die Bevölkerung jedoch bereits im Zuge der bitteren Nachricht über die Schließung sehr gern umfassender über mögliche Zukunftsperspektiven informiert.
Nach der Entscheidung durch die KHO-Gremien war vorgesehen, in einigen Tagen zunächst die Beschäftigten durch die KHO-Geschäftsführung und anschließend die Öffentlichkeit zu informieren. Bedauerlicherweise wurde uns dieses abgestimmte Vorgehen durch die vorzeitige Unterrichtung der Presse durch Dritte unmöglich gemacht. Das bedauern wir ausdrücklich. Gleichzeitig richten wir unseren Blick jetzt nach vorn.
Wir werden um eine Perspektive für Oelde kämpfen
Alle Fraktionen im Rat der Stadt Oelde und die Verwaltung werden sich mit größter Geschlossenheit und Engagement für eine starke, wohnortnahe und verlässliche medizinische Versorgung einsetzen.
Wir brauchen auch künftig eine medizinische Grundversorgung für Akut- und Notfälle. Die Menschen in Oelde müssen darauf vertrauen können, dass sie auch in einer gesundheitlichen Notsituation schnell und wohnortnah Hilfe bekommen. Die KHO hat angekündigt, ein medizinisches Angebot in Oelde aufrecht zu erhalten. Die konkrete Ausgestaltung ist noch offen.
Zum 1. Januar 2027 hat der Bund neue rechtliche Möglichkeiten geschaffen, eine wohnortnahe medizinische Grundversorgung mit einem stationären Angebot einzurichten.
Diese Möglichkeit werden wir jetzt gemeinsam mit aller Kraft prüfen und verfolgen. Wir werden in den kommenden Tagen Gespräche mit den zuständigen Landesbehörden führen und uns mit Nachdruck dafür einsetzen, eine tragfähige und zukunftsfähige Lösung für Oelde zu erreichen.
Dabei erwarten wir Unterstützung von all jenen, die Verantwortung für die medizinische Versorgung in unserem Land tragen: vom Kreis Warendorf über die heimischen Landtagsabgeordneten bis zum Gesundheitsministerium NRW. Oelde darf mit den Folgen dieser Entscheidung nicht allein gelassen werden.
Wir wissen heute noch nicht, wie eine Lösung konkret aussehen kann. Deshalb wäre es unseriös, bereits jetzt Versprechen abzugeben.
Aber eines können wir versprechen: Wir, Rat und Verwaltung der Stadt Oelde, werden nicht hinnehmen, dass mit dem Marienhospital ein Stück Oelder Zukunft verloren geht. Wir werden zuhören. Wir werden verhandeln. Wir werden alle Möglichkeiten prüfen. Und wir werden uns gemeinsam dafür einsetzen, dass die Menschen in Oelde auch künftig eine gute, verlässliche und wohnortnahe medizinische Versorgung erhalten.
Denn das ist mehr als eine Frage von Strukturen und Zuständigkeiten.
Es geht um die Menschen in unserer Stadt.
Es geht um ihre Sicherheit.
Und es geht um die Zukunft Oeldes.
| Bürgermeisterin Karin Rodeheger | André Drinkuth für die CDU-Fraktion | Francisco Rodriguez und Florian Westerwalbesloh für die SPD-Fraktion |
| Barbara Köß für die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen | Thorsten Retzlaff für die FWG-Fraktion | Dennis Dinter für die AfD-Fraktion |
| Uli Schwieder und Michael Twittmann für die Fraktion Volt Oelde | Arno Zurbrüggen für die FDP-Fraktion | Cedric Hartmann für die Fraktion Die Linke |

