Ein Blick unter den Deckel entscheidet, ob alles in Ordnung ist oder es eine gelbe beziehungsweise rote Karte gibt. Seit einem halben Jahr gehört dieser Ablauf für Heiko Prinz zum Arbeitsalltag. Der Biotonnenkontrolleur ist an den Abfuhrtagen unterwegs und wirft einen prüfenden Blick in die bereitgestellten Tonnen.
Oft reicht ein kurzer Blick, um Störstoffe zu finden. Manchmal entdeckt er erst nach genauerem Hinsehen zwischen Kartoffelschalen, Kaffeesatz und Gartenabfällen Dinge, die nicht in den Biomüll gehören. Häufig sind es Plastikbeutel und Verpackungen, aber auch andere Störstoffe. Dann kommt eine Karte zum Einsatz. Gelb bedeutet: Die Tonne wird noch geleert, bei der nächsten Befüllung sollte aber genauer hingeschaut werden. Rot bedeutet: Zu viele Störstoffe – die Tonne bleibt stehen und muss bis zur nächsten Leerung nachsortiert werden.
Seit März ist Heiko Prinz regelmäßig unterwegs und damit die Biotonnenkontrollen in Oelde fester Bestandteil der Abfallentsorgung. Nach sechs Monaten ziehen die AWG (Abfallwirtschaftsgesellschaft des Kreises Warendorf mbH) und die Stadt nun eine erste Bilanz.
Insgesamt hat Heiko Prinz 7072 Biotonnen kontrolliert. 75 Tonnen erhielten eine gelbe, 150 Tonnen eine rote Karte. Sein erstes Resümee fällt positiv aus: „Natürlich treffen wir immer noch auf Tonnen, in denen Dinge landen, die dort nicht hineingehören. Aber wir merken, dass die Kontrollen etwas bewirken. Viele Bürgerinnen und Bürger achten inzwischen genauer darauf, was sie hineinwerfen.“
Das zeigte sich auch im Verlauf der vergangenen Monate. Während zu Beginn noch fünf Prozent der kontrollierten Tonnen beanstandet werden mussten, lag der Anteil zuletzt bei zwei Prozent.
„Es geht nicht darum, möglichst viele rote Karten zu verteilen“, betont Prinz. „Im Idealfall brauche ich irgendwann gar keine Karten mehr.“
Was wie ein kleiner Fehlwurf aussieht, kann größere Folgen haben. Plastik und andere Störstoffe müssen später mit technischem und finanziellem Aufwand aussortiert werden. Gelangen zu viele Fremdstoffe in den Bioabfall, leidet die Qualität des Komposts.
Ein halbes Jahr Biotonnenkontrollen zeigt aus Sicht von AWG und der Stadt Oelde: Der eingeschlagene Weg ist richtig. Die Qualität der kontrollierten Bioabfälle hat sich bereits verbessert. Heiko Prinz wird deshalb weiterhin in die Behälter schauen – mit einem klaren Ziel: möglichst wenig Störstoffe und möglichst viele richtig befüllte Tonnen.
Das gehört hinein:
Küchenabfälle wie Obst, Gemüse- und Speisereste
Kaffeesatz mit Filter, Eierschalen und Teebeutel
Gartenabfälle wie verwelkte Blumen, Rasen- und Strauchschnitt, Laub und Wildkräuter
Das gehört nicht hinein:
Als „kompostierbar“ deklarierte Abfalltüten aus Kunststoff
Plastik- und Müllbeutel
Einwegwindeln und Hygieneartikel
Staubsaugerbeutel, Zigarettenkippen und -asche
Grill-, Ofen- und Holzasche
behandeltes Holz und Straßenkehricht
Leder, Wolle, Haare, Federn und Knochen
Blumentöpfe und Hydrokultursubstrat
Kleintier- und Katzenstreu sowie Vogelsand, Tierkot

