Ein Ort des Lernens und Lebens

Große Vorfreude und eine herzliche Atmosphäre prägten den Dienstagnachmittag an der Erich-Kästner-Schule. Auf Einladung der Schülerinnen und Schüler sowie der Schülervertretungslehrkräfte Eva Hermeier, Charlotte Klostermann und Jan Schönborn besuchte Bürgermeisterin Karin Rodeheger die Schule, um einen Einblick in den besonderen Schulalltag zu gewinnen und in einen direkten Dialog mit den jungen Menschen zu treten.

Im Zentrum des Rundgangs standen die spezialisierten Förderräume der Schule, die weit über eine klassische Klassenzimmer-Ausstattung hinausgehen. Besonders beeindruckend war der sogenannte „Weiße Raum“. Durch seine Helligkeit und Gemütlichkeit schafft er ein beruhigendes Ambiente. Mit Ausstattungen wie einem beheizten Wasserbett, einer Schaukel und einer Klangwiege, deren Vibrationen direkt auf den Körper übertragen werden, werden hier gezielt optische und taktile Reize gesetzt. Dieser Raum ist essenziell für die Förderung schwer mehrfach behinderter Kinder und Jugendlicher. Ein besonderer Mehrwert ist hierbei die Möglichkeit, den Rollstuhl für eine gewisse Zeit zu verlassen.

Ergänzend hierzu wurde der „Schwarze Raum“ vorgestellt. Dieser komplett abgedunkelte Raum dient Kindern mit schweren körperlichen Einschränkungen als Rückzugsort, um in einer stimulierenden Atmosphäre gemeinsam Geschichten zu hören und durch Hilfsmittel wie Wassersäulen die Wahrnehmung zu intensivieren.

Lehrerin Eva Hermeier betonte, dass die Erich-Kästner-Schule für die Kinder ein „Lebensraum“ ist. Der Alltag unterscheide sich grundlegend von klassischen Schulen: Pausenzeiten, Therapie- und Lernräume würden individuell an die Bedürfnisse der Kinder angepasst. Zudem präge eine besonders intensive Bindung zwischen den Lehr- und Betreuungskräften und den Schülern das soziale Gefüge der Schule, da die meisten Schülerinnen und Schüler bereits ab dem Schuleingangsalter die Schule besuchen und über viele Jahre hinweg hier verbleiben.

Nach der Führung folgte ein geselliger Austausch im Lehrerzimmer bei selbstgebackenem Toffifee-Kuchen von Ronja und Valerie. Die Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, um Fragen zum Amt der Bürgermeisterin zu stellen und von ihrem Alltag zu berichten – von den langen Bullifahrten aus Orten wie Ahlen, Sassenberg oder Lippstadt bis hin zu konkreten Wünschen für den Speiseplan der Schule – allen voran der Wunsch nach mehr Hamburgern.

Ein zentrales Thema des Gesprächs war die Barrierefreiheit in der Stadt Oelde. Bürgermeisterin Rodeheger erläuterte, dass sich der Sozialausschuss im September 2026 mit der Erarbeitung eines barrierefreien Konzepts sowie mit einem möglichen Beitritt zur „Erklärung von Barcelona“ befassen wird. Diese internationale Erklärung dient als Leitfaden, um die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben auf kommunaler Ebene zu fördern.

Rodeheger betonte, dass die Stadt Oelde stets offen für Hinweise sei, wo Nachbesserungsbedarf bestehe, und bei allen neuen Planungen konsequent auf Barrierefreiheit – etwa bei Türbreiten und sanitären Anlagen in öffentlichen Gebäuden – achte.

Zum Abschluss des Besuchs überreichten die Schülerinnen und Schüler der Bürgermeisterin ein besonderes Geschenk: Eine handgefertigte Holzkiste aus der schuleigenen Werkgruppe, bestückt mit Tomatenpflanzen aus der Gartengruppe.

Tief beeindruckt von der herzlichen Atmosphäre und dem schönen Empfang bedankte sich Frau Rodeheger für die Gastfreundschaft und Einblicke in den Schulalltag an der Erich-Kästner-Schule.

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