Nahwärme für oelde

Weitkamp II | NAhwärme für Oelde 

Ein weiterer Schritt in Richtung Klimaneutralität 2035 

Aktuell wird der Bebauungsplan für das Neubaugebiet Weitkamp II in Oelde aufgestellt. Im Zuge der Erarbeitung des städtebaulichen Entwurfes wurden auch ökologische Festsetzungen mit der Politik intensiv diskutiert. Zu diesen ökologischen Vorgaben zählen die  Pflicht, eine Photovoltaik-Anlage zu installieren sowie Flachdächer zu begrünen.

Vor dem Hintergrund des vom Rat beschlossenen Klimavorbehaltes sowie dem ambitionierten Ziel der Stadt Oelde, bis zum Jahr 2035 CO2-neutral zu sein, wird nun in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Ostmünsterland (SO) zudem angestrebt, die Wärmeversorgung des Gebietes über ein sog. kaltes Nahwärmenetz sicherzustellen. Die Stadtwerke befinden sich derzeit in der letzten Phase der Machbarkeits-Studie, in welcher sich abzeichnet, dass sich  das Projekt bei einer hohen Anschlussrate  als wirtschaftlich erweist. Eine mögliche Förderung des Bundes von 40 bis 50 Prozent relativieren das ungefähr kalkulierte Investitionsvolumen von etwa fünf Millionen Euro. Aber insbesondere für Bauwillige ist diese   rein regenerative Alternative zu Gas für die Wärmeerzeugung,  insbesondere im Hinblick auf die Energiepreisentwicklung,   auch finanziell empfehlens- und erstrebenswert. 

Das System der kalten Nahwärme ist auf Oelder Gebiet, aber auch darüber hinaus, in diesem Maßstab noch nicht etabliert und wird auch bei den Stadtwerken Ostmünsterland als innovatives Pilotprojekt geführt.

Das Projekt sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür, wurden in der Sitzung des Ausschusses für Planung, Stadtentwicklung, Wohnen und Digitalisierung am 07. April 2022 vorgestellt. (zur Präsentation der Stadtwerke Ost-Münsterland )

Auch die Mitglieder des Rates der Stadt zeigten sich  davon überzeugt, dass die  Voraussetzungen  für das kalte Nahwärmenetz, welches über die Abwärme der Oelder Kläranlage zu  100 Prozent  klimaneutral funktionieren kann, ideal sind. So hat der Rat   in seiner Sitzung am 2. Mai  die Anschluss- und Benutzungsverpflichtung  für alle Grundstücke am Weitkamp II beschlossen.   Die konkrete Ausgestaltung der Konditionen hierfür werden  noch  ausgearbeitet.


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Fragen & Antworten

  • Wie funktioniert das Nahwärmenetz?

    Für Weitkamp II wird Wärme für das Nahwärmenetz aus dem Abwasserstrom der Kläranlage Oelde ausgekoppelt und durch eine Rohrleitung ins Gebiet geführt. Innerhalb des Wohngebietes erfolgt eine Verteilung an die einzelnen Abnehmer. An Technik wird in den einzelnen Häusern  eine Wärmepumpe, ein Pufferspeicher und eine Frischwasserstation benötigt. Die genannten Geräte werden durch die SO bereitgestellt und betrieben, d.h. auch gewartet und instandgehalten.   Die SO bieten unterschiedliche Wärmepumpen für unterschiedliche Bedarfe an und beraten diesbezüglich im Vorfeld. 

    • Kanalrohr mit Wärmetauscher von ca. 240 Metern
    • Energie aus Abwasser
    • Energie aus umgebenem Erdreich 
    • Wärmeentzugsleistung (in Kombination mit Wärmepumpen) ist ausreichend um das Baugebiet mit Wärme zu versorgen. 


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  • Welche Vorteile hat Nahwärme für das Klima?

    Bei dem kalten Nahwärmenetz handelt es sich um ein vollständig aus regenerativer Energie gespeistes Versorgungsnetz, dessen Wärme aus vorhandener Abwärme des Abwassers der Kläranlage gewonnen wird. Im Normalfall ist für solche Netze immer die Nutzung extra dafür gewonnener Wärmeenergie (i. d. R. über Erdwärmesonden) erforderlich, was hier aufgrund der Nähe zur Kläranlage entbehrlich ist.  Eine  elektrisch betriebene Wärmepumpe bringt diese Umweltwärme auf das erforderliche Temperaturniveau zum Heizen und zur  Trinkwarmwassererwärmung. Die Wärmepumpen werden durch die SO  mit Ökostrom betrieben.

    Die Wärme aus dem Abwasser wird auf einem Temperaturniveau von 0-15°C entnommen und verteilt. Da dies der Bodentemperatur, in der die  Rohrleitungen verlegt werden, entspricht, können ungedämmte PE-Rohre  verlegt werden, ohne das Wärmeverluste auf der Transporttrasse  auftreten.

  • Welche Vorteile hat Nahwärme für Bauherr:innen?  

    Die Vorteile für die Bauherr:innen liegen vor allem darin, dass die Wärmepumpen und Pufferspeicher von den Stadtwerken Ostmünsterland betrieben werden. Das heißt, dass  keine Reparatur- und/oder Wartungskosten für die Hausbesitzer:innen anfallen.

    Des weiteren  wird der Strombedarf der Wärmepumpe separat gemessen und ist im Wärmepreis der SO enthalten. 

    Weil keine Kaminanlage in den an das Nahwärmenetz angeschlossenen Häusern nötig ist, fallen auch keine Gebühren für Schornsteinfegerleistungen an.

    Durch den kontinuierlichen Wärmestrom aus dem Abwasser, können die  Wärmepumpen ganzjährig effizient Wärme bereitstellen. Anders als bspw.  Luft-Wasserwärmepumpen, die bei niedrigeren Außentemperaturen deutlich  mehr Strom benötigen um den Wärmebedarf abzudecken, kommt das  erarbeitete Energiekonzept mit deutlich weniger Stromeinsatz aus, wodurch  sich ein geringer und konstanterer Wärmepreis realisieren lässt.

    Ein weiterer Vorteil bietet die Kühloption, bei der über die Fußbodenheizung   das Gebäude  an heißen Sommertagen passiv gekühlt werden kann.

  • Wie viel müssen Bauherr:innen investieren? 

    Nach dem derzeitigen Planstand liegen die Investitionskosten für  Bauherr:innen eines EFH bei ca. 14.000 EUR für den Hausanschluss an  das kalte Nahwärmenetz, den Baukostenzuschuss für das Netz sowie   die primärseitig installierte und in Betrieb genommene Technik. Somit  erhalten Bauherr:innen eine vollwertige Heizungsanlage, die zentrale  und jederzeit auf Funktion und Effizienz durch die SO überwacht und  gesteuert werden kann. Die Stadtwerke, die als Betreiber der  Haustechnik, bestehend aus Wärmepumpen und Pufferspeicher,  fungieren werden, weisen darauf hin, dass für die Besitzer keine  Reinvestitionen (Wartung, Instandhaltung, Reparaturen) für min. 20   Jahre anfallen.

    Nahwärme ist förderfähig und erfüllt KfW Energieeffizienz-Standards.  Fördermittel müssen separat beantragt werden. Die Stadtwerke können dabei helfen. 

  • Wie hoch sind die jährlichen Kosten?

    Die jährlichen Gesamtkosten setzen sich aus dem Grundpreis, dem Messpreis für den Zähler und dem Arbeitspreis für die dem Netz entnommene Wärme zusammen.   Die Kosten für den in den  Wärmepumpen eingesetzten Strom übernehmen die Stadtwerke  Ostmünsterland. Abgerechnet wird die genutzte Wärme, die über einen  Wärmemengenzähler erfasst wird. 

    Im Fall eines Standard-Einfamilienhauses (mit einem Durchschnittlichen Verbrauch von 5.850 kWh) ergeben sich Jahreskosten in Höhe von 1.048,09 EUR. Das sind 87,34 EUR monatlich für warmes Wasser und Heizung (Stand der Kalkulation Mai 2022). 

  • Warum die Anschluss- und Benutzungsverpflichtung?

    Für den Aufbau des Nahwärmenetzes hätten die SO eine große Investition zu tätigen, die sich natürlich über eine gewisse Projektlaufzeit auch amortisieren muss. Um dem Projekt zur Wirtschaftlichkeit und damit zur möglichen Umsetzung zu verhelfen, muss innerhalb des Baugebietes mit einer Anschluss- und Benutzungsverpflichtung gearbeitet werden. Das heißt, dass sich tatsächlich jeder Grundstückseigentümer zur Wärmeversorgung seines Objektes an das Nahwärmenetz anschließen muss und keine eigenen Wärmeversorgungsanlagen errichten und betreiben darf. Nur so kann die SO sicherstellen, dass sich ein wirtschaftliches Projekt ergibt, welches auch zur Umsetzung gelangen kann. 

    Zudem ist das Projekt  auf  Bundesmittel (Förderquote  40 bis 50  Prozent) angewiesen. Die Mindestvoraussetzung für diese Förderung ist allerdings ein Potenzial von 100 Anschlüssen. Auch aus diesem Grunde ist die Anschluss- und Benutzungsverpflichtung erforderlich. 

    Aus Sicht der Verwaltung ist es v. a. auch aus Nachhaltigkeitsgründen sinnvoll, ein errichtetes Netz, welches komplett CO2-neutral erzeugte Wärme verteilt, möglichst auszulasten und doppelte Infrastrukturen zu vermeiden.