Gleichstellung
von Mann & FRau

Game changer – Mach Dich stark für Equal pay!


Der Equal Pay Day markiert symbolisch den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied. Laut statistischem Bundesamt betrug dieser im Jahr 2019 immer noch 19%.

Auch wenn der Wert erstmalig unter die 20%-Marke gefallen ist, bedeutet dies immer noch nur eine Verbesserung von 1%. Hierbei darf auch nicht der Vergleich von West- und Ostdeutschland unterschlagen werden. In Westdeutschland ist der Verdienstunterschied fast dreimal so hoch wie in Ostdeutschland.

Dieser Entgeltunterschied lässt Deutschland im Vergleich mit anderen EU-Staaten nicht gut aussehen. Der europäische Vergleich, wofür die Werte erst für das Jahr 2018 vorliegen und bei 15% Durchschnittswert liegen, zeigt, dass nur Estland mit 22% einen höheren geschlechtsspezifischen Verdienstunterschied aufweist. Ein ähnliches Niveau wie in Deutschland haben die Länder Österreich, Tschechien, das Vereinigte Königreich, die Slowakei und Lettland. Die geringsten geschlechtsspezifischen Unterschiede in der EU waren mit Luxemburg (1%), Rumänien (2%) sowie Italien (4%) zu verzeichnen.

Für Deutschland bedeutet das, wenn der Stundenlohn für Frauen und Männer gleichhoch wäre, ist der Equal Pay Day der Tag, ab dem Frauen erst für ihre Leistung entlohnt werden. Das ist in diesem Jahr der 10.  März. Männer hingegen, werden schon ab dem 1.  Januar für ihre Arbeit bezahlt.

Aber warum ist das so?

Für die Lohngerechtigkeit spielen viele Faktoren gemeinsam eine Rolle und für Frauen eben eine Ursachenvielfalt. Besonders prägend sind hier beispielhaft genannt:

1. Frauen fehlen in bestimmten Berufen, Branchen und auf den höheren Stufen der Karriereleiter, und das obwohl Frauen heute – statistisch gesehen – besser ausgebildet sind als Männer. Sie ergreifen aber noch immer verstärkt frauendominierte Berufe in den Bereichen Erziehung und Pflege und fehlen weiterhin in den MINT-Berufen. Daneben steigen Frauen nicht so häufig auf der Karriereleiter wie Männer auf.

2. Frauen unterbrechen oder reduzieren ihre Erwerbstätigkeit familienbedingt durch z.B. Elternzeit oder Pflege von Angehörigen häufiger und länger als Männer. Diese „Fehlzeiten“ bedingen daraufhin Einstiegshemmnisse und haben lang nachwirkende Einbußen bei Lohn- und Einkommensentwicklung zur Folge. Das schlägt sich bis in die Rentenphase nieder.

3. Frauentypische Berufe sind weiterhin unterbewertet. Eine Aufwertung dieser Berufe bedeutet nicht nur eine Aufwertung in gesellschaftlichen Werten von frauendominierten Berufen, sondern wirkt sich auch auf die Bezahlung aus.

4. Weil es an einer Gehaltstransparenz  in der Bezahlung aufgrund des Geschlechts fehlt, ist eine Ungleichbehandlung nicht sichtbar.

5. Gängige Rollenstereotype beeinflussen nach wie vor die Berufswahl von Frauen. Daraus folgt, dass junge Frauen aus einem sehr engen Segment der über 300 Ausbildungsberufe auswählen. Die Berufswahl muss frei von Rollenstereotypen oder Barrieren bei der Vereinbarkeit von Familie und Karriere erfolgen.

Das Ziel muss es daher sein, mit dem Equal Pay Day und dem Gender Pay Gap die Debatte über die Gründe der Lohnunterschiede in die Öffentlichkeit zu tragen. Es muss ein Bewusstsein für diese Problematik geschaffen werden, um zu sensibilisieren und Entscheidungsprozesse mit Informationen zu unterfüttern, damit sich die Lohnlücke schließt.

Gerade während der Pandemie ist das sehr deutlich geworden. Rückblickend auf den Beginn der Pandemie und der Diskussion um systemrelevante Berufe, sind einige Berufsfelder in den Blickpunkt gerückt, deren Hauptanteil aller Beschäftigen von Frauen gestellt wird. Es wurde geklatscht, es wurden Dankesclips im TV ausgestrahlt, aber was kam dann?

Das unterstreicht, dass die Hauptlast der Pandemie auf vielen verschiedenen Ebenen zu großen Teilen von Frauen geschultert wurde und noch immer wird. Welchen Einfluss diese Pandemie zukünftig auf den Equal Pay Day und Gender Pay Gap hat, ist aus Sicht der Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Warendorf noch gar nicht abzusehen. 

Monika Björklund
Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Beckum
im Namen des Arbeitskreises der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Warendorf